Erfahrung schon seit 1987
Die
Schmerzklinik ist nach § 40 SGB V von allen gesetzlichen Krankenkassen als Rehabilitationseinrichtung anerkannt. Für Patienten mit
privater Krankenkasse werden Krankenhaus- bzw. krankenhausvergleichbare Behandlungen gemäß OPS 8-918 durchgeführt. Beihilfefähig.

Unser Informationsservice zum Thema

PLEXUSAUSRISS
Ausriß des Plexus brachialis, Plexusausriß, Plexusabriß

Der Begriff "Plexus" steht für ein Geflecht. Im menschlichen Körper gibt es mehrere Geflecht-Arten, es wird unterschieden zwischen Venen -, Lymphgefäß- und Nerven geflecht. Nerven geflechte gibt es mehrere, so den Plexus lumbalis, Plexus lumbosacralis, Plexus cervicalis und Plexus brachialis.
In der medizinischen "Umgangssprache" steht der Begriff "Plexusausriß" für den Ausriß des Plexus brachialis, da ein Ausriß oder auch Teil ausriß der anderen Nervengeflechte sehr unwahrscheinlich ist, bedingt durch deren anatomische Lage.

Der Plexus brachialis (das Arm nerven geflecht) wird  von den vorderen Ästen der Rücken marksnerven C5 (= 5. Halssegment) bis Th1(-2) (= 1. (-2.) Brustsegment) gebildet und erstreckt sich über das seitliche Halsdreieck und Achselhöhle bis in den Arm. Das Nervengeflecht versorgt motorisch (= die Muskel kraft/- bewegung betreffend) und sensibel (= die Empfindung, das Fühlen betreffend) den Arm - und Schulter gürtelbereich.
Bei Schädigung der C5/C6-Anteile kommt es zur oberen
Armplexuslähmung (Duchenne-Erb Lähmung), die hauptsächlich den Schultergürtel betrifft, sensibel auch den speichenseitigen Arm.
Schädigung der C8/Th1-Wurzeln führt zur unteren
Armplexuslähmung (Déjerine/Klumpke Lähmung). Betroffen sind hauptsächlich Handbeuger am Unterarm und Muskeln der Hand und die ellenseitige Empfindung (Sensibilität).

Quelle: www.neuro24.de

Zu einer Schädigung der spinalen (= die Wirbelsäule bzw. das Rücken mark betreffenden) Nervenwurzel n des Plexus brachialis kann es z.B. durch Erkrankungen des Rücken marks oder auch Tumore kommen.
Die weitaus häufigste Ursache ist jedoch eine Verletzung, oft bei Motorradfahrer. Durch eine entsprechende Gewalteinwirkung können die Nervenwurzel n förmlich herausgerissen werden (
Plexusausriss). Je nach Umfang der Verletzung unterscheidet man wie bei der Querschnittsverletzung zwischen einer kompletten (wenn alle Wurzeln abgetrennt sind) und einer inkompletten Lähmung. Leider gehen solche Verletzungen sehr häufig mit starken Armschmerzen einher. Da in diesem Falle ja die Nervenverbindung zum
Arm unterbrochen ist (Denervierung), auch wenn dies nur partiell der Fall ist, spricht man von einem Deafferenzierungsschmerz. Es handelt sich also um die gleiche Schmerzart wie beim Phantomschmerz, aber mit dem Unterschied, daß beim kompletten Plexusausriss das Glied noch erhalten ist.

Medikamentöse Schmerzbehandlung bei Plexusausriss:
Besonders bei anfallsartigen, einschießenden Schmerzen sollten Antikonvulsiva (Carbamazepin, Gabapentin oder Pregabalin) (= Mittel gegen das Anfallsleiden, aber auch bei diesen Schmerzen wirksam) versucht werden. Hin und wieder ist auch ein Therapieversuch mit Baclofen (= Mittel zur Muskelentspannung) erfolgreich.
In den letzten Jahren wurde immer wieder eine Therapie mit Calcitonin
(= ein Hormon der Schilddrüse) propagiert (Kessel et Wörz 1987). Uns hat die Wirkung weder bei chronischen Stumpfschmerzen noch bei Phantomschmerzen überzeugen können. Jedoch soll die frühzeitige Gabe von Calcitonin sehr hilfreich sein (Döbler et Zenz 1994).
Einfache Schmerzmittel wirken meist nicht, allenfalls Opioide
(= morphiumähnliche, im Rückenmark/Gehirn wirkende Schmerzmittel) in höherer Dosierung.
Unterstützend (selten als einzige Therapie ausreichend) haben sich schmerzdistanzierende Antidepressiva
(= Mittel gegen Depressionen, aber auch bei Schmerzen hilfreich) sehr bewährt. Wir bevorzugen Maprotilin und Doxepin.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika):
Beim kompletten Plexusausriss bleibt nur die epidurale
(= rücken marknahe) Blockade (Betäubung), die aber im oberen
Brust - bzw. unteren Halswirbelsäule nbereich relativ riskant ist und sich deshalb als Routineverfahren nicht eignet.
Beim inkompletten
Plexusausriß, wenn also noch nervale Restverbindungen zum Rückenmark bestehen, ist vorübergehend (z.B. 10-14 Tage lang) ein Versuch mit der kontinuierlichen, sog. retrograd hohen Blockade des Plexus brachialis mit Katheter lohnend.
Bei nicht wenigen Patienten, die mit der Diagnose "kompletter Plexusausriss" zu uns kamen, stellte sich nach einer genauen Untersuchung heraus, daß der Ausriss eben nicht komplett war, so daß die erwähnte Methode angewendet werden konnte, häufiger mit gutem Erfolg.

Methodenbeschreibung - kontinuierliche Blockade des Plexus brachialis

Dabei wird im Bereich der Innenseite des Oberarm es, nahe der Achselhöhle in örtlicher Betäubung der Armnerv mit einer Kanüle aufgesucht. Dann wird durch diese Kanüle hindurch ein dünner Kunststoffschlauch in die Nervenscheide (den Nerv umhüllendes Gewebe) eingeführt und nach oben, zur Schulter hin, vorgeschoben. In den nächsten 2-3 Wochen wird der Kunststoffschlauch mehrmals täglich (bei Bedarf auch nachts) mit einem örtlichen Betäubungsmittel aufgefüllt.
Spritzt man in den Kunststoffschlauch eine größere Menge (z.B. 35-45 ml) von dem örtlichen Betäubungsmittel ein und staut gleichzeitig den Oberarm ab, dann wird der gelöste Wirkstoff innerhalb der Nervenscheide bis hoch zu den Nervenwurzeln im Halswirbelsäulengebiet getrieben und wirkt auch dort schmerzlindernd, sowie im Schulterbereich (sog. retrograd hohe Variante). Die Erfolge mit dieser Methode sind zum Teil erstaunlich.

Zur Schmerztherapie kann auch die interskalenäre (= zwischen Muske ln im seitlichen, unteren Halsbereich) Blockade des Plexus brachialis (auch kontinuierlich mit Katheter) durchgeführt werden, allerdings ist diese Methode mit einem etwas größeren Risiko behaftet.
Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung auch das sog. Schmerz
gedächtnis zu löschen.

Andere Therapiemaßnahmen bei Plexusausriss:
Außer der periduralen (= rückenmarknahen) Rückenmarksstimulation mittels eingepflanzter Elektroden (DCS) sollten operative Methoden nur bei Therapieresistenz zum Einsatz kommen. Hier sind zu erwähnen: - Chordotomie (= Durchtrennung von Schmerzbahnen im Rückenmark) und DREZ- Läsion (Läsion der dorsal-root-entry-zone) (= elektrische „Verkochung“/Zerstörung der hinteren Schmerzeintrittszone am Rückenmark).

Oftmals lässt sich auch bei Deafferenzierungsschmerzen durch die Vermittlung von Entspannungstechniken eine zusätzliche Besserung erzielen.
Zum Abbau von psychosozialen Spannungsfeldern sollten psychologische Interventionen versucht werden. Nach unserer Beobachtung sind Patienten mit chronischen Schmerzen aufgrund eines
P
lexusausriss es im Hinblick auf Schmerzmittelmißbrauch oder gar Schmerzmittelabhängigkeit besonders gefährdet. In diesen Fällen leiten wir unverzüglich eine stationäre Entzugsbehandlung ein.

Bei langjährig bestehenden
Schmerzen nach einem
Plexusausriss ist davon auszugehen, dass bereits ein Chronifizierungsgrad II, meist sogar III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

Laut der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit haben alle Versicherte (also auch ältere Patienten) einer gesetzlichen Krankenkasse einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen. Das Bundesgesundheitsministerium schrieb dazu auch einen Brief an die Aufsichtsbehörden. Dieses Wahlrecht wurde mittlerweile auch durch Urteile von Landessozialgerichten bestätigt: Baden-Württemberg (Az: L 4 KR 2071/05) und Hessen ((Az.: L 1 KR 2/05: Gewährt eine Krankenkasse einem Versicherten einen Aufenthalt in einer Reha-Klinik, so ist sie dazu verpflichtet, die Wünsche des Versicherten in Bezug auf die Einrichtung zu berücksichtigen.
Sozialgerichte stärken die Rechte von Schmerzpatienten auch gegenüber den Rentenversicherungen. Danach hat ein Schmerzpatient ein Recht darauf, in einer schmerztherapeutischen Klinik behandelt zu werden. Hier gelangen Sie zu einem 1. Urteil (Sozialgericht Kassel). Mittlerweile gibt es diesbezüglich zwei weitere Urteile, so vom Landessozialgericht Hamburg: http://www.schmerz.com/schmerze n/sozialgericht2 und vom Sozialgericht Köln erging eine entsprechende, einstweilige Verfügung in nur 23 (!!) Tagen: www.schmerz.com/schmerze n/sozialgericht3.

Sie wollen mit einem erfahrenen Schmerzarzt sprechen? Kein Problem, einfach jeweils an einem Mittwoch zwischen 13.00 und 14 Uhr oder Donnerstag zwischen 13.00 und 15.00 Uhr die Tel.-Nr. 07931-5450 anwählen (keine extra Gebühren).

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Aktualisiert:>22.03.2009</> kusb&
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